KASIMIR UND KAROLINE
Volksstück von Ödön von Horváth

 

Eine Koproduktion mit dem Theater in Kempten.

 

Regie: Oliver Karbus
Bühne: Klaus Gasperi
Kostüme: Monika Heredi

Dramaturgie: Nikola Stadelmann

Licht: Jan M. Gasperi, Günther Schweikart
Regieassistenz: Tobias Bernhard

Kostümassistenz: Ricarda Amberg

 

Es Spielen: Julia Loibl, Sara Sommerfeld, Richard Aigner, Johannes Gabl, Horst Herrmann, Thomas Lackner, Benjamin Ulbrich



Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabei gewesen.
Karoline in "Kasimir und Karoline"

Liebe in Zeiten der Krise: Auf dem Oktoberfest, Schauplatz von Ödön von Horváths 1932 unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise uraufgeführtem Schauspiel, kommt es zum Streit zwischen Kasimir und seiner Verlobten Karoline. Kasimir glaubt nicht, dass Karoline ihn noch liebt. Und während ihm, der gerade seine Arbeit verloren hat, gar nicht zum Feiern zumute ist, stürzt sich Karoline erlebnishungrig in den Volksfestrummel. Sie lernt den Zuschneider Schürzinger kennen, und auch die Herren Rauch und Speer finden Gefallen an ihr. Kasimir betrinkt sich derweil mit dem Merkl Franz, einem Kleinkriminellen, und sucht Trost bei dessen Freundin Erna - die beiden bleiben schließlich allein auf einer Parkbank zurück. Als Karoline dazukommt, um sich mit Kasimir auszusöhnen, wird sie von ihm zurückgewiesen.

Horváths Figuren, die zwischen Hoffnungslosigkeit und Lebenshunger changieren, passen auch in unsere heutige von großer Unsicherheit gekennzeichnete Zeit. Seine "Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut" hat gut achtzig Jahre nach ihrer Uraufführung wieder traurige Aktualität erlangt. Sie ist, schreibt Horváth, ein Stück "voll stiller Trauer, gemildert durch Humor, das heißt durch die alltägliche Erkenntnis ‚Sterben müssen wir alle!'"

Wenn ich mir diese Bierzeltseligkeit ansehe und die Massen, die sich da, scheinbar besonders gut gelaunt, durchs Festgetummel schieben, dann frage ich mich manchmal, was sind das für Menschen, was treiben die mitsammen und was reden die miteinander, was haben sie sich zu sagen und wie tun sie das? Offenbar hat sich Horváth ähnliche Fragen gestellt. Er hat sich die Leute ganz genau angeschaut und den Wahnsinn der alltäglichen Normalität gefunden. Wenn die Menschen, wie er sie zeichnet, der Normalfall in unserer Gesellschaft sind, was ich glaube, dann brauchen wir uns über fast nichts mehr zu wundern. Was ich aber an diesem Autor so mag, ist, dass er dank seines gnadenlos scharfen Blickes keine seiner Figuren diffamieren muss. Sie alle sind Menschen...!
(Oliver Karbus)

Überhaupt sind es die sozialkritischen Stoffe, die Horváth (1901 - 1938) in den Mittelpunkt seines dramatischen Schaffens rückt. Seine Helden, perspektivlose Kleinbürger, schlitzohrige Kleinkriminelle und Frauen in patriarchaler Abhängigkeit, sind allesamt Repräsentanten einer entfremdeten, sozial verkümmerten Gesellschaft. Misslingende menschliche Kommunikation, latente Gewalt, Schicksalsergebenheit, trügerische Idylle und Fassadenmoral - allesamt Phänomene, die uns auch heutzutage noch oder wieder bekannt vorkommen, beschreibt Ödön von Horváth mit scharfem, jedoch nie grausamem Sezierblick, mit einer schier kommunikationslosen Dialogsprache, die einem streckenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt, und dennoch mit jeder Menge warmer Ironie.

Was mich, was uns an "Kasimir und Karoline" besonders interessiert, ist die fast schon lakonische, aber messerscharfe Zeichnung der Figuren, ihrer Schicksale und ihrer "Sprachlosigkeit", die in heftigem Kontrast zum Ort der Handlung, der Wies'n, steht. Kasimir und Karoline sind als Paar und als einzelne Menschen genauso in der Krise wie die Welt um sie herum. Die wirtschaftlichen Entwicklungen sind beängstigend, die politischen finster und der Besuch auf dem Volksfest taugt bestenfalls als punktuelle Ablenkung von den Schwierigkeiten im Großen wie im Kleinen.

 

 

Premiere: 15. Oktober 2011

Weitere Termine: 19./20./21./22./23. Oktober 2011

 

Beginn 20h - Sonntag 18h

 


Demnächst im Stadttheater
Theater Kabarett, Film & Literatur
Jazz & Co Kids & Jugend
Keine Daten zum Anzeigen